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Melonenhändler in Sao Paulo

Melonenhändler in Sao Paulo

Klima ohne Wetterschutz

Eine mittlerweile ganz alltägliche Wettermeldung: Anfang Dezember regnete es in der brasilianischen Hauptstadt Sao Paulo so stark, dass zwei Flüsse über die Ufer traten. Siespülten einem Melonenhändler und vielen anderen Obstverkäufern ihre Lebensgrundlageweg. Das Hochwasser sorgte außerdem für zahlreiche Erdrutsche, die sechs Menschen unter sich begruben.

Zu schnell zu warm.

Eine Kette von Schicksalen, dafür sorgt der Klimawandel. Ob in Brasilien, China, Polen oder im Schwarzwald: Klimaschwankungen sind in der Erdgeschichte zwar nicht neu. Aber frühere Klimaänderungen gingen so langsam vor sich, dass Tiere und Pflanzen genug Zeit hatten, sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Heute sind nicht nur Menschen und Eisbären mit einer sehr schnellen Erwärmung konfrontiert. UN-Klimaforscher halten einen Temperaturanstieg weltweit um bis zu 6,4 GradCelsius bis zum Jahr 2100 für möglich. Die verheerende Folgen sind jetzt schon spürbar. Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember versuchten viele Menschen, die Umweltzerstörung aufzuhalten. Politiker, Umweltaktivisten, Gewerkschafter und Wirtschaftsbosse. Was die Versprechen und die Unterschriften dem Umweltschutz wirklich bringen, wird sich erst noch zeigen. Für den Melonenhändler in Sao Paulo kommen die guten Vorsätze auf jeden Fall zu spät.

Nach dem Deutschen Wetterdienst gab es im Vergleich 4 zu kalte und 8 zu warme Monate

2009 stellt zwar keinen neuen Temperatur- und Niederschlagsrekord in Deutschland ein, aber es war mit einer Durchschnittstemperatur von 9,2 Grad Celsius nach dem Deutschen Wetterdienst (DWD) dennoch ein Grad zu warm, wenn man es mit dem langjährigen Mittel (1961-1990) von 8,2 Grad vergleicht.

Ganz einfach ist die Lage nicht. So gab es mit Januar, Juni, Oktober und Dezember zwar vier zu kalte Monate, allerdings waren die restlichen acht Monate zu warm. Der April war besonders zu warm, aber auch der August und der November. Beim Niederschlag hielt sich 2009 ans langjährige Mittel. Die Sonnenscheindauer lag dafür mit 1.664 Stunden erneut über dem Klimawert von 1.528 Stunden – wie jedes Jahr seit 2003.

2000-2009 war das wärmste Jahrzehnt seit Beginn der Messungen

Die World Meteorological Organization (WMO) hat neue Klimadaten veröffentlicht. Für das Jahr 2009 liegen erst vorläufige Daten von Januar bis Oktober vor. Danach aber sei sehr wahrscheinlich, dass 2009 zu den zehn wärmsten Jahren seit Beginn der Messungen 1850 werden wird. Die aus Meeres- und Landoberflächen kombinierte Durchschnittstemperatur liegt 0,44 Grad Celsius (+/- 0,11) über den jährlichen Durchschnitt von 14 Grad während der Zeitspanne zwischen 1961 bis 1990.

Bislang wäre 2009 das fünftwärmste Jahr. Dabei gab es aber große regionale Unterschiede. Während die Temperaturen in den USA und Kanada kühler als durchschnittlich waren, herrschten in Teilen Südasiens und Zentralafrikas die bislang wärmsten Temperaturen. Extreme Wärme gab es häufiger vor allem in Südamerika, Australien und Südasien. Vor allem in Europa und Asien war das Frühjahr ungewöhnlich warm. In Europa war auch der Sommer sehr warm. In Deutschland gab es den wärmsten Mai. Neben Hitzewellen gab es extreme Dürreperioden (z.B. China) und heftige Stürme und Niederschläge (z.B. Frankreich). Die Ausdehnung des arktischen Meereises war die drittgeringste nach den Jahren 2007 und 2008.

Das Jahrzehnt von 2000 bis 2009 war nach der WMO das bislang wärmste Jahrzehnt. Das wird auch vom britischen Wetterdienst, dem Met Office, bestätigt, nach dem “die letzten zehn Jahre klar die wärmste Periode seit Beginn der Messung der Oberflächentemperaturen vor 160 Jahren” waren.

Globale Durchschnittstemperaturen 1850-2009. Bild: Met Office

Das WMO verweist darauf, dass die Ergebnisse von drei komplementären Datenquellen stammen. Sie werden erhoben und sugewertet von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), dem Goddard Institute of Space Studies (GISS) der Nasa sowie dem Hadley Centre des britischen Wetterdienstes und der Climatic Research Unit der University of East Anglia. Bei letzterer gelangten durch einen Hack Emails an die Öffentlichkeit, die für Klimaerwärmungsskeptiker eine Bestätigung für die unterstellte Verschwörung und “Klimalüge” darstellen. Die WMO macht deutlich, dass die Daten der Mitteilung von führenden Experten von anderen internationalen, regionalen und nationalen Klimainstitutionen und –zentren vor der Veröffentlichung überprüft worden sind.

Quellen: