In der erweiterten Konfiguration von Firefox, die nur über einen Umweg erreichbar ist, gibt es viele Stellschrauben, an denen Sie drehen können um mehr Geschwindigkeit und Komfort aus dem beliebten Browser herauszuholen.

Die Optionen sind über die normale Bedienerführung nicht erreichbar, um das Konfigurationsmenü schlank zu halten und um zu verhindern, dass unbedarfte Benutzer Firefox verkonfigurieren. Manche der Einstellungen können – unbedacht angewendet – tatsächlich dafür sorgen, dass Sie plötzlich manche Web-Seiten nicht mehr aufrufen können. Wir stellen Ihnen in diesem Beitrag die spannendsten Tuning-Optionen an der erweiterten Firefox-Konfiguration vor und weisen gezielt auf mögliche Fallstricke hin.

Manuelles Tuning mit Bordmitteln

Sie erreichen die erweiterte Konfiguration, indem sie “about:config” in die Adresszeile eingeben und “Return” drücken. Daraufhin erscheint eine lange, datenbankartige Liste mit zahlreichen Parametern in englischer Sprache. Um nach einer Option zu suchen, geben Sie deren Namen in das Feld “Filter” ein. Wenn Sie eine geänderte Einstellung wieder auf den Standardwert setzen wollen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Eintrag und wählen “Zurücksetzen”. Genauso gehen Sie vor, wenn Sie eine von Ihnen neu angelegte Option wieder löschen möchten. Diese verschwindet dann nach einem Browser-Neustart aus der Liste.

Die meisten Optionen sind alles andere als selbsterklärend. Im Folgenden stellen wir Ihnen die interessantesten vor.

Schneller surfen: Pipelining aktivieren

Die Pipelining-Funktion sorgt dafür, dass Firefox alle Elemente einer Web-Seite über eine gemeinsame HTTP-Verbindung statt über mehrere einzelne anfordert. Dadurch werden weniger Protokoll-Daten übertragen, die Seite baut sich schneller auf. Kommt die Anfrage jedoch fehlerhaft beim Server an, muss sie Firefox komplett neu senden.

Sie schalten Pipelining ein, indem Sie die beiden Optionen “network.http.pipelining” und “network.http.proxy.pipelining” per Doppelklick auf “true” setzen. Über die Option “network. http.pipelining.maxrequests” lässt sich einstellen, wie viele Elemente auf einmal angefordert werden sollen. Sie können den Standardwert von “4” auf ein Maximum von “8” erhöhen.
Manche Webserver unterstützen Pipelining jedoch nicht, insbesondere bei verschlüsselten HTTPS-Verbindungen kann es zu Problemen kommen. In dem Fall hilft es nur, Pipelining (vorübergehend) zu deaktivieren.

RAM sparen: Zwischenspeicher optimal einstellen

Firefox speichert einmal aufgerufene Web-Seiten zwischen – und zwar an zwei Stellen im RAM und einmal im Festplatten-Cache. Die Kopien im Arbeitsspeicher sorgen dafür, dass beim Vor- und Zurückblättern die Seite nicht erneut geladen beziehungsweise berechnet werden muss. Beim Beenden des Browsers wird der RAM-Zwischenspeicher geleert. Die Kopien im Festplatten-Cache bleiben bestehen, bis dieser eine maximale Größe erreicht hat und beschleunigen den Aufruf der bereits besuchten Seiten bei den nächsten Browser-Sitzungen.

Die maximale Größe des ersten RAM-Zwischenspeichers berechnet Firefox anhand der Gesamtgröße des Arbeitsspeichers. Bei 256 MB sind das zum Beispiel 10 MB, bei 512 MB sind es 14 MB und bei 1 GB 18 MB. Möchten Sie den Wert lieber manuell festlegen, müssen Sie dazu einen zusätzlichen Eintrag in der erweiterten Konfiguration anlegen. Dazu klicken Sie mit der rechten Maustaste in die Liste und wählen “Neu, Integer”. Als “Eigenschaftsnamen” geben Sie “browser.cache.memory.capacity” und als Wert die gewünschte Größe des Speichers in KB ein.

Der zweite RAM-Zwischenspeicher behält nicht einzelne Seitenelemente, sondern eine Art Schnappschuss der zuletzt aufgerufenen und vom Browser bereits berechneten Web-Seiten. Dadurch funktioniert das Vor- und Zurückblättern extrem schnell. Die Inhalte liegen unkomprimiert im Speicher und können dadurch leicht 20 bis 50 MB RAM belegen.

Je nach Größe des Hauptspeichers puffert Firefox zwischen 0 und 8 Seiten-Abbilder. Über die Option “browser.sessionhistory.max_total_viewers” stellen Sie den Wert Ihren Bedürfnissen nach ein. Standard ist “-1” (automatische Ermittlung).
Die Größe des Festplatten-Cache können Sie ganz bequem über die Bedienerführung von Firefox unter “Extras, Einstellungen, Erweitert, Netzwerk” einstellen. Der Wert “0” deaktiviert den Zwischenspeicher.

Bandbreite schonen: Prefetching ausschalten

In Firefox 2.0 ist standardmäßig die Funktion “Prefetching” aktiviert. Sie bewirkt, dass der Browser bestimmte (Unter-)Seiten, auf die die aktuell aufgerufene Web-Seite verlinkt, schon einmal prophylaktisch im Hintergrund lädt und in den Zwischenspeicher schreibt. Wenn Sie anschließend auf einen der Links klicken, erscheint die entsprechende Seite schneller.

Seiten werden aber nur dann im Voraus geladen, wenn derjenige, der die Links auf die Website eingebaut hat, dies auch so festgelegt hat. Er muss dafür in den HTML-Text der Web-Seite das Kommando
einbauen, wobei “Linkziel” für eine Web-Adresse oder Unterseite steht. Da das bisher nur wenige tun, bräuchten wir das Thema eigentlich nicht weiter zu behandeln. Unter den wenigen tummelt sich aber ein sehr großer Dienst, den Sie wahrscheinlich mehrmals täglich nutzen: Google.In der Google-Ergebnisliste ist jeweils der erste Eintrag, also der relevanteste, mit einem Prefetch-Kommando versehen. Das führt dazu, dass bei jeder Suche, die Sie bei Google tätigen, der HTML-Quelltext der ersten Web-Seite in der Ergebnisliste heruntergeladen und im Zwischenspeicher abgelegt wird.Zwar macht der Browser das immer nur dann, wenn er gerade im Leerlauf ist, also keine von Ihnen gewünschten Inhalte herunterlädt. Trotzdem gibt es mehrere Argumente, die dafür sprechen, Prefetching zu deaktivieren. Zum einen, weil Sie möglicherweise einen Volumentarif nutzen, bei dem jedes übertragene Byte kostet. Zum anderen, weil Sie nicht auf Servern Spuren hinterlassen wollen, die Sie gar nicht wissentlich besucht haben. Schließlich könnte je nach Suchbegriff ein Server mit illegalen Inhalten ganz oben in der Ergebnisliste auftauchen.
Um das Vorausladen von Web-Seiten zu verhindern, suchen Sie in der erweiterten Firefox-Konfiguration nach “network.prefetch-next” und stellen den Wert per Doppelklick auf “false”.“Schließen”-Button von Tabs entfernenFirefox bietet seit Version 2.0 einen “Tab schließen”-Button auf jeder Browser-Registerkarte. In den Vorgängerversionen befand sich das Symbol immer am rechten Fensterrand der Software. Wer diesen Zustand wieder herstellen möchte, sucht nach der Option “browser.tabs.closeButtons”, klickt sie doppelt an und setzt den Wert auf “3” statt “1”.Soll der Schließen-Button nur auf dem jeweils im Vordergrund befindlichen Tab angezeigt werden, geben Sie statt dessen “0” ein. Möchten Sie den Schließen-Button gänzlich verschwinden lassen, setzen Sie den Wert auf “2”.Tab-Breite verringern: Mehr Seiten im Blick

Wenn Sie häufig mit sehr vielen gleichzeitig geöffneten Tabs arbeiten, haben Sie sicherlich schon mit den Scroll-Icons Bekanntschaft gemacht, die Firefox einblendet, damit die Tab-Leiste nicht überläuft.

Ab wann das der Fall ist hängt zum einen von der Breite des Browser-Fensters ab, zum anderen von dem Wert für “browser.tabs.tabMinWidth” in der erweiterten Konfiguration. Er gibt an, wie breit ein Karteireiter mindestens ist. Möchten Sie mehr Tabs unterbringen und können damit leben, dass diese dafür schmaler sind, setzen Sie den Wert von 100 auf 75 oder 50.

Weitere Optionen kurz vorgestellt

Die erweiterte Konfiguration hat noch einige Optionen mehr zu bieten. Eine Auswahl finden Sie im Kasten unten.

  • browser. download. manager. focusWhenStarting
    • Legt fest, ob der Download-Manager beim Start eines Downloads im Vordergrund erscheinen (Wert=”true”) oder im Hintergrund bleiben (Wert=”false”) soll.
  • browser.bookmarks.file
    • Abweichender Pfad und Dateiname der Lesezeichen-Datei. Diese Option müssen Sie als “String” neu anlegen.
  • browser.bookmarks.livemark_refresh_seconds
    • Gibt in Sekunden an, wie häufig die dynamischen Lesezeichen (RSS-Feeds) auf Aktualisierungen überprüft werden sollen. Der Mindestwert liegt bei 60 Sekunden, der Standard bei 3600 (1 Stunde). Diese Option müssen Sie als “Integer” neu anlegen.
  • browser.search.openintab
    • Wenn Sie diese Option auf “true” setzen, öffnet sich beim Benutzen der Suchleiste die Ergebnisliste in einem neuen Tab.
  • browser.tabs.loadFolderAndReplace
    • Wenn Sie alle Lesezeichen eines Ordners auf einmal öffnen, werden die bereits geöffneten Web-Seiten geschlossen. Um das zu verhindern, setzen Sie diese Option auf “false”.
  • browser.tabs.opentabfor.Middleclick
    • Links, auf die Sie mit der mittleren Maustaste klicken, öffnen sich in einem neuen Fenster statt in einem neuen Tab, wenn Sie diese Option auf “false” setzen.
  • browser.urlbar.autoFill
    • Möchten Sie “Auto-Vervollständigen” für die Adressleiste aktivieren, setzen Sie diese Einstellung auf “true”.
  • extensions.checkCompatibility
    • Legt fest, ob Erweiterungen bei der Installation auf Kompatibilität zur Browser-Version überprüft werden. Wenn Sie den Wert auf “false” setzen, erfolgt kein Check. Inkompatible Erweiterungen können aber die Stabilität gefährden.
  • middlemouse.paste
    • Ist diese Option auf “true” gesetzt, können Sie über einen Klick auf die mittere Maustaste Text aus der Zwischenablage in Formularfelder auf Web-Seiten und Eingabefelder in Firefox einfügen.
  • xpinstall.whitelist.required
    • Firefox installiert standardmäßig nur Erweiterungen von vertrauenswürdigen Seiten und solchen, die Sie in eine Whitelist eingetragen haben. Möchten Sie diese Sicherheitsoption gegen Komfort eintauschen, stellen Sie den Wert auf “false”.