RaucherinWie viele Zigaretten ein Raucher täglich konsumiert, liegt in den Genen. Sie entscheiden mit darüber, wie schnell der Nikotinspiegel im Blut sinkt.
Raucher kennen das Phänomen: Sobald der Nikotinspiegel im Blut und in der Hirnflüssigkeit (Liquor) absinkt, wächst das übermächtige Verlangen nach der nächsten Zigarette. Wie schnell es aufkommt, ist jedoch von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich.

Ursachen auf der Spur

Japanische Wissenschaftler haben nun eine genetische Ursache für den unterschiedlich starken Tabakkonsum entdeckt: Sie untersuchten das Erbgut von 200 japanischen Rauchern auf Varianten eines speziellen Gens mit der Bezeichnung CYP2A6. Diese Erbanlage ist für den Abbau des Nikotins verantwortlich, des Suchtstoffs in Zigaretten und anderen Tabakwaren. Einige Varianten des Gens sorgen offenbar dafür, dass der Nikotinspiegel nur langsam sinkt.

Tatsächlich ergab eine Erbgutanalyse der 200 Probanden, dass die Raucher mit normalem, ungebremsten Nikotinabbau am meisten konsumierten – im Schnitt knapp zwei Schachteln pro Tag. Sie besaßen zwei normale Versionen des verantwortlichen Gens. Dies traf auf rund 25 Prozent zu.

Genvariante bremst Nikotinabbau

Studienteilnehmer mit zwei Kopien einer eher seltenen Variante des Gens und einem dadurch gebremsten Nikotinabbau rauchten täglich nur halb soviel – knapp eine Schachtel. Eine solche natürliche Bremse für den Hunger nach Zigaretten ist jedoch selten: Die entsprechende Doppelausgabe dieser Erbanlage fanden die Wissenschaftler bei nur sieben Studienteilnehmern.

Die übrigen Teilnehmer besaßen sowohl ein normales, wie ein bremsendes Gen zum Nikotinabbau. Ihr Tabakkonsum lag entsprechend zwischen dem der beiden Extremgruppen.

Ihre Ergebnis veröffentlichten die Forscher um Hidetoshi Nakamura vom Krankenhaus des Energieversorgers Tokyo Electric Power Company in der Februarausgabe des Fachblatts „European Respiratory Journal“.

Die Daten sind zwar in erster Linie für die asiatische Bevölkerung von direkter Bedeutung, manche der untersuchten Gen-Varianten treten aber auch in anderen Bevölkerungen wie etwa unter Schweden und Türken häufig auf.

Neuer Ansatz für die Tabakentwöhnung

Da die Tabakentwöhnung in erster Linie auf eine Nikotinersatztherapie setze, könnte der beobachtete Zusammenhang helfen, eine maßgeschneiderte und damit Erfolg versprechendere Entwöhnung für Raucher zu entwerfen, hoffen die Forscher.

Quelle: dpa